Für sein Werk »Norwegische Landschaft« wählt Rolf Nesch eine stark vereinfachte Formensprache. Sowohl den dichten Tannenwald in der oberen Bildhälfte als auch die schmucklosen Hütten, die sich im unteren Bildbereich um eine Bucht versammeln, deutet er in nur wenigen Strichen an. Hierdurch verlieren die Bildgegenstände jegliche naturalistische Erscheinung. Sie werden zu einem abstrakten Motiv und bekommen auf diese Weise Symbolcharakter. Die farbigen Schraffuren, die Nesch über die skizzenhaft ausgeführten Formen legt, ermöglichen es jedoch, in der Darstellung eindeutig eine Landschaft mit einem Gewässer sowie Bäumen und braunem Waldboden zu erkennen.
1933 zwingt die Machtübernahme der Nationalsozialisten Nesch zur Auswanderung nach Norwegen. Das mit farbiger Kreide ausgearbeitete Bild »Norwegische Landschaft« entsteht nur ein Jahr später hier am neuen Lebensort. Kompositorisch zeigen sich klare Parallelen zu den Metalldrucken, die Nesch kurz zuvor während seiner Zeit in Hamburg anfertigt: Mit Hilfe einer stark reduzierten Formensprache und auf das Motiv abgestimmter Farbgebung schafft er Sinnbilder. Sie legen das ureigenste Wesen der Bildgegenstände frei. So kommt etwa im Werk »Norwegische Landschaft« die typische Rauheit und Einsamkeit deutlich zum Ausdruck.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- Z-0543
- Material / Technik:
- Farbige Kreide auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart