Joseph Kosuths Neon-Schriftzug ist ein Lichtobjekt. Jeder Buchstabe ist aus einem einzigen, feinen, mit Gas gefüllten Glasröhrchen geformt. Es beginnt zu leuchten, sobald elektrische Spannung angelegt wird. Die Aussage des Schriftzugs, dass »visueller Raum im Wesentlichen von niemandem besessen werde«, ist also erst lesbar, wenn die Schrift leuchtet.
Kosuth ist ein wichtiger Vertreter der amerikanischen Konzeptkunst. Sprachlich begründete Prozesse treten an die Stelle traditioneller, form- und inhaltsbestimmter Kunst. Den technischen Apparat kann man besitzen – er ist Teil der Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart. Für den im Lichtschein sichtbar erleuchteten Raum gilt dies nicht. An der Wand installiert, braucht der Neon-Schriftzug den Raum ebenso, wie er diesen auch akzentuiert. »Raum« meint hier den Raum der Schriftsprache. Diese nutzt die Weite der Wand, um die Buchstaben und Worte nebeneinanderzustellen. Kosuth zeigt, wie der Raum Worte verbindet. Er formt sie zu immer neuen Sätzen, mit denen etwas über die Wirklichkeit ausgesagt oder eine bestimmte Wirklichkeit behauptet wird. So nutzt auch Kosuths Neon-Schriftzug den Raum, um diese Aussage über den »Raum« zu formulieren und dessen Besitzverhältnisse zu thematisieren.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- V-0808
- Material / Technik:
- Kobaltblaue Neonröhre direkt an der Wand montiert
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart