Joseph Kosuths Neon-Schriftzug zeigt nur das Wort »NEON«. Jeder Buchstabe ist aus einem einzigen, sehr feinen Glasröhrchen geformt, das mit einem farblosen Gas gefüllt ist. Es leuchtet weiß, sobald elektrische Spannung angelegt wird. Und schreibt so das titelgebende Wort. Doch geht das weiße Leuchten gar nicht vom Edelgas Neon aus. Zwar wird der Begriff »Neon« umgangssprachlich für alle Arten von Leuchtstoffröhren verwendet, doch leuchtet hier das Edelgas Krypton. Kosuths Arbeit besteht also im Material aus etwas anderem, als dem, was der Titel vermuten lässt. Auch der technische Apparat selbst – der Transformator, die opaken elektrischen Leiter und das transparente Glas – gehört zur künstlerischen Arbeit.
Kosuth ist ein wichtiger Vertreter der amerikanischen Konzeptkunst. Sprachlich begründete Prozesse treten an die Stelle traditioneller, form- und inhaltsbestimmter Kunst. Kosuth wirft die Frage auf, wie Sprache unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit beeinflusst. Das Wort »Neon« ist, was wir sehen. Doch sobald wir es lesen, treten bestimmte Aspekte des Objekts in den Hintergrund. Diese extreme Reduktion lässt uns genau das wahrnehmen, was nicht gesagt wird, aber dennoch mitschwingt.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-2909
- Material / Technik: Weiße Neonröhre direkt an der Wand oder am Transformator montiert
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
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