Otto Dix porträtierte seine Tochter Nelly immer wieder. In seinen Radierungen aus den Jahren 1923 und 1924 ist das Mädchen im Alter von wenigen Monaten bis etwa einem Jahr zu sehen. Er überzeichnet die Züge kindlicher Niedlichkeit zur Karikatur: große Augen, runde Pausbäckchen und ungebändigte Löckchen. Es ist derselbe harte, präzise Zugriff, mit dem Dix auch Soldaten, Kriegsversehrte und Gestalten der Großstadt zeichnet. Doch hier trifft diese zeichnerische Schärfe auf ein zartes Motiv. Sie wirkt nicht entlarvend oder verletzend. Vielmehr steigert sie die Lebendigkeit des Kindes. Die überzogenen Formen lassen die Wangen noch runder, den Blick noch offener erscheinen. So entsteht ein ungewöhnlicher Kontrast. Anstatt das Kind weich und gefällig zu zeichnen, bleibt Dix seinem schonungslosen, neusachlichen Stil treu. Gerade dadurch gewinnt die Darstellung an besonderer Intensität und verrät zugleich große Nähe und Zuneigung.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- R-0844
- Material / Technik:
- Radierung auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart