Mutter mit Kind

GrößeBildmaß: 82,1 x 47,5 cm
AusgestelltSammlung 0 Raum 2

Der weibliche Körper ist für Dix eine nicht versiegende Inspirationsquelle. Er porträtiert Frauen jeden Alters und entwickelt in seinen Werken sehr unterschiedliche Abbilder des Weiblichen. Eine ganze Reihe von Bildern befasst sich mit der Mutter – Themen sind zum Beispiel die schwangere Frau, die Geburt oder die Darstellung der Mutter mit Kind. Jene Mütter, die Dix in seiner veristischen Phase Anfang der 1920er-Jahre malt, dokumentieren in schonungsloser Weise wirklichkeitsgetreu das Schicksal Tausender Arbeiterfrauen in der Weimarer Republik. Die Mehrheit von ihnen lebt in schwierigen bis hin zu ärmlichen Verhältnissen. Das Mutterglück ist häufig überschattet von Hunger, Krankheiten und Arbeitslosigkeit. Prostitution ist oftmals ein letzter Ausweg. Deutlich steigende Selbstmordraten sind Teil der sozialen Realität der »Goldenen Zwanziger« in Deutschland.
Dix macht es sich zur Aufgabe, diese dunklen Seiten in den Blick zu rücken. Seine Bilder von Kriegsveteranen, Dirnen, Lustmördern, Arbeiterkindern und verzweifelten Müttern sind ungeschönte Milieustudien. Sie zeigen die Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit der damaligen Gesellschaft, die sich auch in den Weiblichkeitsmodellen spiegelt. Auf der einen Seite beginnt die emanzipierte, moderne Frau, sich ihren Platz zu erobern. Auf der anderen Seite gilt weiterhin die konservative Vorstellung, dass es das höchste Glück einer Frau sei, »Weib zu sein, einen Mann zu beglücken, ihren Kindern Mutter zu sein«.

Werkdaten
Inventarnummer: O-2553
Material / Technik: Öl auf Sperrholz
Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz

1923–1923 Otto Dix; 1923–1930 Johannes Bredt, Druckereibesitzer und Kunstsammler ; 1930–1937 Bezirksverband Nassau ; 1937, 26.08. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda; 1938 Depot Schloss Schönhausen; 1941 Sonderbestand Propagandaministerium Berlin; vielleicht 1943/44–1945 Kunsthändler Bernhard A. Böhmer; 1945 Böhmer-Nachlass; 1945, Mai–1946, 18.10. Wilma Zelck; 1946, 18.10.–1949, April Dr. E. Schütz; 1949, April Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer; 1949, April–1983 Richard Franke (Sohn Christian Franke); 1983, Nov.–heute Kunstmuseum (früher Städtische Galerie) Stuttgart

Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2021 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart, Axel Koch
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