Albert Mueller entwickelt seine abstrakte Komposition »Mensch und Pflanze« aus starken Hell-Dunkel-Kontrasten: Indem er schwarze und weiße Teilflächen aneinandersetzt, gliedert er den Bildraum in Licht und Schatten und löst den Gegenstand in geometrische Formen auf. Die Verdichtung der hellen Teilflächen in der Bildmitte führt zu einem dramatischen Lichtverlauf. Aus dem hellen Kern löst sich nach unten eine Halbfigur. Ihr nach rechts geneigter Kopf bildet den kompositorischen Mittelpunkt des Holzschnitts und erinnert maskenhaften Figuren Picassos. Vom Scheitel aus wächst der Figur ein stilisierter Blütenkopf, der in einer ausgreifenden Bewegung zum Licht emporstrebt. Das Licht, das in der christlichen Ikonografie Gott symbolisiert, gilt auch als ein Sinnbild für Hoffnung. 1919 gründet Albert Mueller zusammen mit anderen Künstlern die Stuttgarter Üecht-Gruppe. Ähnlich wie die Berliner Novembergruppe verfolgt sie in der jungen Weimarer Republik das Ziel, die Erneuerung von Kunst und Gesellschaft voranzutreiben. Eine neue Bildsprache soll etabliert und drängende Themen der Zeit aufgegriffen werden. Die nach dem Ersten Weltkrieg in der Bevölkerung neu aufbrechenden Religiosität wird zu einem inhaltlichen Schwerpunkt, dem sich Mueller verschreibt.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- S-0150
- Material / Technik:
- Holzschnitt auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Nachlass Albert Mueller / Galerie Schlichtenmaier / Foto: Kunstmuseum Stuttgart