Melancholie bezeichnet einen Gemütszustand tiefer Traurigkeit. Heute wird dafür allgemein der Begriff der Depression verwendet. Jahrhundertelang bietet sie Künstler:innen ein Thema für spannungsvolle psychologische Darstellungen. Otto Dix komponiert unter diesem Titel eine Situation zwischen Mann und Frau. In einem Zimmer sitzt eine junge, nackte Frau auf einem aus Blattmotiven geformten Stuhl. Mit ausgestrecktem linken Arm greift sie nach der Schulter ihres Gefährten. Dieser ist lediglich mit einem großen Tuch bekleideten. Er hat sich von ihr abgewandt. Seine Aufmerksamkeit gilt dem feurig wogenden Himmel vor dem Fenster. Dort öffnet sich ein apokalyptischer Mahlstrom und scheint ihn anzuziehen.
Doch auch die Frau hat den Blick nicht auf ihren Gefährten gerichtet. Mit dunkler Miene blickt sie nach oben links aus dem Bild heraus. Wahrscheinlich schaut sie dort auf etwas, was sie ähmlich in Bann zieht wie den Gefährten. Jedenfalls wirkt ihr Arm fest und bestimmt, den Gefährten zu halten. Doch der Ausgang ihrer spannungsvollen Beziehung ist keineswegs sicher. Der Totenkopf am Boden unter ihrem ausgestreckten Bein ist ein sogenanntes Vanitassymbol. Er steht für die Vergänglichkeit des irdischen Lebens. Hier bekräftigt er die düstere, traurige Stimmung der Melancholie.
Werkdaten
- Inventarnummer: LG-079
- Material / Technik: Öl und Tempera auf Holz
- Creditline: Sammlung Landesbank Baden-Württemberg im Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart