In dem tiefschwarzen Relief sind in seiner oberen und unteren Hälfte sowohl kurvig als auch gerade verlaufende größere und kleinere Risse zu erkennen, die sich deutlich und detailliert vor dem weißen Hintergrund abzeichnen. Sie erscheinen wie gezielt platzierte Kompositionselemente, die dem Objekt einen abstrakt formulierten erzählerischen Bildinhalt verleihen sollen. Tatsächlich jedoch ist das Relief durch physikalische Prozesse entstanden.
Erik Sturm sammelt an Stuttgarter Orten mit sehr hoher Feinstaubbelastung, in diesem Fall am Marienplatz, Feinstaub. Trotz der gesundheitlich bedenklichen Luftverschmutzung ist der Platz ein beliebter Treffpunkt der Stadt. Den Feinstaub verarbeitet Sturm unter Zusatz eines Bindemittels zu Farbe, die er auf Folie aufträgt. Während des Trocknungsprozesses verändert sich das Material schließlich: Es platzt auf und reißt ein, wodurch die heute sichtbare Reliefstruktur entsteht. Das Pigment benennt Sturm jeweils nach dessen Fundort.
Mit seiner Arbeit verweist Sturm beinah nüchtern auf die unsichtbare Kehrseite der Fortbewegungsgewohnheiten der modernen Gesellschaft. Sie führen an vielen Orten in der Stadt zu einer hohen Verkehrsverdichtung und in der Folge zu einer enormen Luftverschmutzung. Dadurch, dass das Relief nicht zuletzt durch seine Rahmung als ein Kunstwerk wahrgenommen wird, gelingt es Sturm, unseren Blick für diese Kehrseite zu öffnen und uns für seine kritische Botschaft empfänglich zu machen.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2016-017
- Material / Technik: Marienplatzstaub in Methylcellulose
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Erik Sturm / Foto: Kunstmuseum Stuttgart