Mit der Zeichnung »Lustmord« widmet sich Rudolf Schlichter dem Zusammenhang von sexuellem Begehren und männlichen Machtgelüsten. Die daraus folgenden Gewalthandlungen enden in der Ermordung einer Frau. Die Leiche der erstochenen Frau stellt Schlichter in den Mittelpunkt seiner Bildkomposition. Sie liegt nur mit Unterwäsche bekleidet auf einem Bett. In ihrem Brustkorb steckt noch die Tatwaffe. Unter ihrem Körper hat sich eine Blutlache gebildet. Ihre Gliedmaßen zeigen verrenkt und regungslos in verschiedenen Richtungen. Das Gesicht der Frau ist für uns Betrachter:innen nicht erkennbar. Ihren übrigen Körper porträtiert Schlichter mit großer Detailgenauigkeit. Das sie umgebende Mobiliar – ein Stuhl, ein Tisch mit Blumenvase sowie eine Kommode mit Spitzendeckchen und einem gerahmten Foto – ist dagegen nur flüchtig angedeutet.
Der Lustmord ist ein häufiges Bildmotiv der Neuen Sachlichkeit. Die Kunstströmung der Weimarer Republik zeigt gesellschaftliche Tabuthemen als alltäglich vorkommende Umstände auf. Die ungeschönte Darstellung der Bildinhalte ist dabei durch die nüchterne Betrachtungsweise der Künstler:innen geprägt. Schlichter thematisiert in der vorliegenden Zeichnung aus seinem Frühwerk den Kontrast zwischen der Brutalität der dargestellten Tat und dem banalen häuslichen Umfeld, in der sie verübt wurde. Als Inspiration dienen Schlichter kriminalistische Originalfotos. Doch spielt er zugleich mit dem Blick des Voyeurs.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- Z-1916
- Material / Technik:
- Bleistift auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Galerie Alvensleben / Foto: Uwe H. Seyl, Stuttgart