Im Zentrum der nächtlichen Szenerie steht die Straßenbahn mit ihren beiden hell erleuchteten Waggons. Sie fährt gerade über die Mitte der großen Straßenkreuzung bergabwärts, was an den beiden brennenden Lampen des ersten Waggons zu erkennen ist. Auf den Straßen und Gehsteigen sind einige Menschen unterwegs. Links und rechts der Kreuzung, die das Gemälde in vier Zonen gliedert, stehen hohe Wohngebäude, durch deren Fenster das Licht der Innenbeleuchtung scheint. Ihnen gegenüber deuten die Lücken in der Hecke am unteren Bildrand auf einen Zugang zu einer parkähnlichen Anlage, in die gerade Menschen hineingehen. Die blattlosen Bäume und die Bekleidung der Fußgänger:innen sind ein Hinweis darauf, dass es eine kalte Jahreszeit ist.
Den Mittel- und Hintergrund bestimmt der Blick auf die im Tal liegende und sich weit erstreckende Stadt. Lichter und Rauchschwaden verweisen auf Industrie und Schienenverkehr. Für Helligkeit sorgt zudem der Mond, der von einem mehrfachen Lichtkreis umgeben ist. In der mittleren Zone des Bildes ist er noch einmal zu sehen, jedoch jeweils halbiert, was der Szenerie einen Hauch von Magie verleiht.
Bis zu seiner Auswanderung 1939 nach New York hat Reinhold Nägele in zahlreichen Ansichten wie in dieser das Stadtleben Stuttgarts, aber auch dessen bauliche, politische und kulturelle Entwicklung bildnerisch dokumentiert.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2021-004
- Material / Technik: Tempera auf Holz
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart, Schenkung Ingeborg Merz-Haas und Dr. Dr. Richard Merz
Provenienz
o.D.–1928 Reinhold Nägele; 1928–1998 Dr. Dr. Merz-Haas; 1998–2021 Ingeborg Merz-Haas; 2021 Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart