In dieser frühen Radierung zeigt Reinhold Nägele in feinen Details das Bosch-Lazarett, das die Firma gleich nach Beginn des Ersten Weltkriegs in ihrem damaligen Unternehmensgebäude in Stuttgart-Feuerbach einrichtet. Die Räumlichkeit und Möblierung des Lazaretts, die Patient:innen, das Krankenpersonal und die Besucher:innen hält er in einem Wechselspiel von klar umrissenen Flächen und deutlichen Linien sowie in einem ausgewogenen Verhältnis von Hell und Dunkel fest und schafft so ein lebendiges Bild vom dortigen Geschehen. Dafür verwendet er – wie durchgehend in seinem Radierwerk – die Technik der Ätzradierung für die Linienstruktur und die Aquatinta für die Flächen. Dadurch heben sich die Menschen und die Architektur mitsamt ihrer Ausstattung kräftig voneinander ab und bilden in der Gesamtschau ein präzise dargebotenes erzählerisches Ganzes. In der unheilvollen Situation des ersten Kriegsjahrs erscheint Nägeles Bosch-Lazarett als ein durchaus komfortabler, freundlicher Ort, der Hoffnung ausstrahlt. Der Zugang zu diesen Räumlichkeiten wird ihm durch seinen Bruder ermöglicht, der dort als Arzt tätig ist. Die Radierung Nägeles ist ein künstlerisches Zeitdokument: Es belegt, dass sich auch Unternehmen für die Versorgung der vielen von den Kriegsfronten zurückgebrachten Verwundeten einsetzten.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- R-0324
- Material / Technik:
- Radierung auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart