Die »Landschaft« entwickelt Walter Stöhrer als ein Ringen zwischen matten, lasierenden Farbflächen und kräftig leuchtenden Farbbahnen. Der Duktus ist so schwungvoll wie wuchtig, folgt dabei aber keinem erkennbaren Rhythmus. Stattdessen scheint sich im Bildraum eine von den Farben selbst getragene Spannung zu entladen. Die dicht ineinander gearbeiteten hellen Farbflächen werden von brachial eingreifenden schwarzen Farbbahnen zergliedert. Ebenfalls stark fragmentiert ist eine menschenähnliche Figur, die durch Stöhrers abstrakt-expressionistische und ungegenständliche Formensprache an die Bildoberfläche gespült wird. Sie ist nicht gemalt, sondern als Papier auf die Leinwand collagiert. Ziel- und bewusstlos treibt sie in der oberen rechten Bildecke, ehe die Wogen des breiten Pinselstriches sie sich erneut einverleiben. Ihre flüchtige Existenz teilt sie mit Textfragmenten, die handschriftlich, einem Graffiti gleich, vertikal in die Bildmitte eingewoben sind.
Das für Stöhrer sehr erfolgreiche und künstlerisch äußerst produktive Jahr 1977 bildet die Übergangsphase von den farblich dichten, stark von Symbolen durchsetzten frühen Arbeiten zum luftiger wirkenden Spätwerk.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2024-030
- Material / Technik: Mischtechnik auf Leinwand
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart