Das Motiv zeigt eine abstrakte Landschaft, die Ida Kerkovius aus natur- und kupferfarbenem sowie rotem und schwarzem Garn unterschiedlicher Stärke gestaltet hat. Die warmen Farbtöne lassen an einen herbstlichen Spätnachmittag denken. Die Kreise, Halbkreise, Kreissegmente und Ovale, Quadrate und Rechtecke sowie die Linien und Streifen stehen sinnbildlich für die Sonne und den Mond in unterschiedlichen Phasen sowie für Gewässer, Pflanzliches und Figürliches. Durch die Verwendung von drei sich farblich unterscheidenden Längs- beziehungsweise Kettfäden wird der Eindruck erzeugt, dass sich die Motive auf verschiedenen Bildebenen befinden. Die reliefartige Struktur wiederum entsteht durch den Einsatz unterschiedlich dicker quer verlaufender Schussfäden. Am oberen Rand des Teppichs sind die Kettfäden zu kurzen Schlaufen gedreht, am unteren Rand hängen sie als geflochtene lange Fransen herab. Daraus ergibt sich die Ausrichtung des Wandteppichs.
Ida Kerkovius‘ Bildsprache bezieht ihre Grundlage aus der Kompositions- und Farbenlehre Adolf Hölzels, dessen Meisterschülerin und Assistentin sie gewesen ist. Als ein Wegbereiter der abstrakten Kunst hat er sie in der flächig-geometrisierenden Vereinfachung figürlicher und gegenständlicher Motive und dem Einsatz von Farbkontrasten unterwiesen. Auch für ihre Teppichkunst, die sie erst im fortgeschrittenen Alter von 41 Jahren ab 1920 am Bauhaus in Weimar erlernt, bleibt Hölzels Lehre Gestaltungsgrundlage. Der hier gezeigte Teppich gehört zu ihrem umfangreichen Schaffen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- V-0262
- Material / Technik:
- Handgefertigter Teppich
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Kerkovius Archiv Wendelstein / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart