Das Gemälde »Kristall« gehört zu Johannes Ittens Spätwerk. Es ist nach wie vor geprägt von der Kompositions- und Farbenlehre, die Itten aus dem Studium 1913–1916 bei Adolf Hölzel weiterentwickelt hat. Im Mittelpunkt stehen die Abstraktion auf Grundelemente, die Zergliederung der Bildfläche in geometrische Formen sowie die Malerei mit reinen Spektralfarben und ihren Kontrasten.
Die Bildfläche von »Kristall« ist in polygonal gebrochene Felder zerteilt. Diese sind mit Farben gefüllt, die zueinander als Steigerung in der Intensität oder als Kontraste stehen. Auf diese Weise formt Itten eine kristalline Struktur aus Rot-, Grün und Blautönen. Sie scheint sowohl an die Fläche des Bildes gebunden zu sein, als auch plastisch in den Raum zu treten.
Der Kristall und das Kristalline ist für Itten Metapher für die Kunst schlechthin. Seine Tradition lässt sich über den Expressionismus bis in die Kunst der Romantik um 1800 zurückverfolgen. Im Kristall wird zum einen die Transformation vom Materiellen zum lichtdurchstrahlenden Geistigen motivisch sinnfällig. Zum anderen bestimmt das Kristalline als Strukturprinzip die Organisation des Bildes im abstrakten Kunstwerk selbst. Das Gemälde »Kristall« ist Ausdruck diese Fragen, denen sich Itten während seines gesamten künstlerischen Schaffens immer wieder stellte.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- LG-574
- Material / Technik:
- Öl auf Leinwand
- Creditline:
- Dauerleihgabe der Freunde des Kunstmuseums Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart