Die zur frühen Grafikproduktion Nägeles gehörende Radierung zeigt eine weihnachtlich-festlich geschmückte sogenannte Kriegsküche. Sie ist vor dem Stuttgarter Kunstgebäude eingerichtet, was an der Kuppel mit dem goldenen Hirsch zu erkennen ist. In der Bildmitte thront ein monumentaler Christbaum, vor dessen Lichtkulisse reges Treiben herrscht. In kleinteiliger Präzision zeigt Nägele die in Reihen gedeckten Tische, die von einem Bretterzaun und kleinen Tannen eingefasst sind. Einige Personen sitzen bereits an den Tischen, Damen in Schürzen tragen Speisen auf und weitere Gäste werden am Eingang mit der Aufschrift »1914 Nationaler Frauendienst« empfangen. Zu Nägeles dokumentarischer Schilderung zählen der Mann rechts am Eingang, der Essensmarken ausgibt, die Garderobe auf der linken Seite und die beiden Essensausgaben neben dem Podest für den Weihnachtsbau. Dadurch schafft er ein äußerst informatives Bilddokument einer der ersten Stuttgarter Kriegsküchen, deren systematische Einrichtung die Stuttgarter Stadtverwaltung erst ab 1915 veranlasst. Das Blatt belegt, dass sich bereits zuvor Vereine wie der Nationale Frauendienst in die Versorgungskrise der Bevölkerung im ersten Kriegswinter hilfeleistend eingeschaltet haben.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- R-0310
- Material / Technik:
- Radierung auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart