Das Quadrat bildet als Motiv gleichsam die Konstante in Anton Stankowskis Schaffen, der er immer wieder neue Aspekte abzugewinnen vermag. Im Bestreben, die Strenge und Statik des Quadrats aufzubrechen, rückt in den späteren Schaffensjahren die Diagonale zusehends in den Fokus des Künstler-Grafikers. Die markanteste und reduzierteste Umsetzung hat dieses Gestaltungsprinzip wohl in dem berühmten Logo gefunden, das Stankowski 1974 für die Deutsche Bank entworfen hat – ein blauer, quadratischer Rahmen, dem ein sich von links unten nach rechts oben erstreckender, ebenfalls blauer Balken eingeschrieben ist. Im vorliegenden Gemälde scheint sich das bildbeherrschende große Quadrat, das sich wiederum aus 36 kleinen Quadraten zusammensetzt, regelrecht aufzulösen: Die, wie dem Werktitel zu entnehmen ist, in »zwölf Farben« erstrahlenden, segmentierten Diagonalbalken überlagern das Viereck nicht nur optisch, sondern lassen es an seinen Rändern geradezu ausfransen. Doch wird der Zersetzungsbewegung durch den schmalen Holzrahmen rund um die quadratische Leinwand Einhalt geboten: So vermag sich das Quadrat als Grundelement letztlich doch noch einmal zu behaupten.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-160
- Material / Technik: Acryl auf Leinwand
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart, Schenkung der Stankowski-Stiftung
Lizenzhinweis
© Stankowski-Stiftung / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart