In sich gekehrt blickt das Kind nach links unten aus dem Bild heraus. Seine Lippen sind leicht schmollend zusammengepresst. Sein emotionaler Gesichtsausdruck ist fein und differenziert ausgearbeitet. Hierin zeigt sich die künstlerische Meisterschaft des jung verstorbenen Wilhelm Friedrich Herter. Sein kurzes, aber produktives Schaffen widmet er vor allem dem Porträt. Dabei verbindet er bei seinen Werken wie hier in dem Kinderporträt den groben Pinselschwung des modernen Realismus mit der Feinheit der Porträtmalerei. Dadurch wirkt beispielsweise die Haut besonders belebt. Bei den langen blonden Locken und dem weißen Hemdkragen sehen wir dagegen weniger Haar oder Stoff als mehr die Spuren des Malens. Noch skizzenhafter sind das Hemd des Kindes sowie der Hintergrund ausgearbeitet, wodurch das Gesicht, auf dem das Licht liegt, lebendig aus dem Dunkel hervortreten kann.
Den künstlerischen Nachlass des 1888 in Stuttgart verstorbenen Herter verwaltet sein Bruder Gustav. Dessen Witwe Dina Herter schenkt das eindrückliche »Kinderporträt« anlässlich der Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag von Herter der Galerie der Stadt Stuttgart. In der Korrespondenz trägt das Gemälde manchmal auch den Titel »Blonder Trotzkopf«, wodurch die Darstellung noch mehr an Lebendigkeit gewinnt.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- O-1668
- Material / Technik:
- Öl auf Leinwand
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz
1875–1888 Wilhelm Friedrich Herter; 1888–1945, 6.3. Gustav Herter, Stuttgart; 1945, 6.3.–1965, 6.11. Dina Herter, Stuttgart; 1965, 6.11. Kunstmuseum (Städtische Galerie) Stuttgart
Lizenzhinweis
Foto: Kunstmuseum Stuttgart