Mit seiner Kunst bewegt Dietrich Fricker sich stets am Puls seiner Zeit. Dabei scheut er auch nicht vor dem Einsatz von – im wahrsten Sinne des Wortes – plakativen Mitteln zurück. Die Assemblage »Keine Pershings in Heilbronn« führt uns mitten in die aufgeheizte Debatte um die atomare Aufrüstung in Deutschland zu Beginn der 1980er-Jahre. Am 22. November 1983 fasst der Deutsche Bundestag den sogenannten NATO-Doppelbeschluss zur Stationierung neuer US-Mittelstrecken-Atomraketen. Nur drei Tage später treffen die ersten Raketen auf dem Militärgelände Waldheide in Heilbronn als einem von drei Standorten ein. Vorausgegangen sind im Jahresverlauf Demonstrationen, Menschenketten und Blockaden in der gesamten Republik. So findet Anfang April 1983 auch eine Friedenskundgebung mit rund 30.000 Teilnehmerinnen auf der Waldheide statt. Möglicherweise ist in diesem Zusammenhang Dietrich Frickers Werk »Keine Pershings in Heilbronn« entstanden. In dessen Zentrum prangt eine wimpelartige gelbe Form mit drei schwarzen Punkten – ein Zeichen von doppelbödiger Symbolik: Zum einen ruft es die Signalfarben des Warnzeichens für Radioaktivität in Erinnerung. Zum anderen spielt es auf das Blindenabzeichen an, mit dem die Betroffenen ihre Sehbeeinträchtigung kenntlich machen. Auf diese Weise zeiht der Künstler jene der »Blindheit«, die ihre Augen vor der drohenden Gefahr der Auslöschung der Menschheit durch einen atomaren Vernichtungsschlag verschließen.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-067
- Material / Technik: Klebstoff, Kunststoff und Öl auf Holz
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart, Schenkung aus dem Nachlass Dietrich Fricker
Lizenzhinweis
© Friederike Fricker / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart