Im April 1924 reist Reinhold Nägele mit seiner Frau nach Portofino östlich von Genua. Begeistert beschreibt er in einem Brief nach Hause das Meer als »so blau und grün wie nirgends (als bei Böcklin) …«. Seiner Begeisterung verleiht er in sechs Gemälden Ausdruck. Zu ihnen gehört »Italienische Riviera«.
Wie so oft nimmt Nägele sein Motiv von einem erhöhten Standpunkt in den Blick: Schiffe und Boote liegen am Ufer, Menschen spazieren auf der Promenade und den Terrassen, haben sich auf Bänken und Gemäuer niedergelassen oder tummeln sich um einen Pavillon. Zentraler Blickpunkt ist die Skulptur auf einem Ufervorsprung. Sie zeigt Prometheus, der mit einer Fackel in seinen Händen über einer Figurengruppe schwebt. In ihrem gläsernen Blau hebt sie sich vom kräftigen, mit Grün angereicherten Blau der Meeresbucht ab. Der erzählerischen, reich besetzten Szenerie im Vordergrund antwortet die Weite und Ruhe der Meeresbucht im Mittelgrund. Am Ufer zeichnen sich besiedelte Gebirgstälern und die warmen Lichtern einer Stadt ab.
In diesem Bild huldigt Nägele nicht nur der italienischen Riviera, sondern auch den Elementen schlechthin: dem Wasser des Meeres, der Erde in Form des Gebirges, der Luft, die über allem liegt, und dem Feuer, das Prometheus den Menschen gebracht haben soll.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2019-060
- Material / Technik:
- Tempera auf Holz
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart