Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
Die Worte »Ich bin daheim« verweisen auf eines der wiederkehrenden Themen in ihrem Werk. Fortwährend befasst sie sich künstlerisch mit der vermeintlichen Idylle eines Zuhauses. Der mit Tinte geschriebene Schriftzug wirkt aufgrund der großen und kleinen Flecken schnell und beiläufig auf dem Geschirrtuch notiert. Die Aussage hat eine vielschichtige Bedeutung: Einerseits betont sie die Anwesenheit des Ichs an einem Ort, der Zuhause genannt wird. Andererseits wird das Ich selbst als ein Zuhause verstanden. Und schließlich lässt sich der Text auch als Verweis auf gesellschaftliche Erwartungen deuten, werden doch Frauen traditionell mit der Sphäre des Zuhauses und besonders mit der Küche als ihrem angestammten Platz in Verbindung gebracht. Vor allem in ihrem frühen Werk befasst sich Jehle intensiv mit der Rolle der Frau als Hausfrau.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-039
- Material / Technik: Farbe auf Geschirrtuch
- Creditline: Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart