Herabkunft der Musik

Vor dem gelben, durch grüne Wellen gegliederten Hintergrund bewegen sich unterschiedliche Formen freischwebend nebeneinander. Einige drängen sich durch die Farbintensität und die Farbkontraste nach vorne, andere treten dezent zurück. In der Bildmitte erkennen wir ein menschliches Antlitz. Es wird von allerlei Formen und Figuren umspielt. Für Max Ackermann sind es die durch die Musik ausgelösten positiven Empfindungen, die sein künstlerisches Wollen bestärken und im Bild zum Ausdruck gebracht werden.
Noch zu Zeiten des Jugendstils bei Henry van der Velde ausgebildet, arbeitet Max Ackermann über sieben Jahrzehnte bis in die 1970er-Jahre. Wegweisend ist für ihn die Begegnung mit Adolf Hölzel 1912 und die damit verbundene Beschäftigung mit der abstrakten Malerei. Zunächst entscheidet er sich jedoch nicht ausschließlich für diese. Vielmehr entsteht im Laufe der 1920er-Jahre eine Vielzahl von Werken, in denen er sich ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit sozialkritischen Themen widmet. So werden bei seiner ersten Einzelausstellung im Jahr 1924 im Stuttgarter Kunstgebäude ganz selbstverständlich figurative neben abstrakten Werken gezeigt.
Ende der 1930er-Jahre wendet sich Ackermann der Abstraktion zu. Inspiriert haben ihn unter anderem die Begegnungen mit Wassily Kandinsky und Rudolf von Laban, dem Begründer des abstrakten Tanzes. Die Verbindung von Tanz und Musik mit der Malerei zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen. Die Beschäftigung mit der Abstraktion ist für Max Ackermann eine Suche nach der absoluten Malerei, bei der sich in Analogie zur Musik Rhythmus und Klang mit Farbe und Form verbinden. So liegt auch der Komposition »Herabkunft der Musik« eine große rhythmische Leichtigkeit zugrunde.
1930 gründet Max Ackermann an der Volkshochschule Stuttgart ein Seminar für absolute Malerei, in dem er die künstlerischen Mittel der Abstraktion an seine Schüler:innen weitergibt. Als die Nationalsozialisten ihm 1936 Lehrverbot erteilen, zieht er sich nach Hornstaad an den Bodensee zurück.

Werkdaten
Inventarnummer: O-1065
Material / Technik: Öl auf Pappe
Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
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