Mit dynamisch-bewegtem Pinselstrich fängt Rolf Nesch die flirrende Atmosphäre der vor ihm liegenden Hafenszene ein: Während im Vordergrund ein Schiff am Kai festmacht, dominieren massiv wirkendende Gebäude den Hintergrund des Bildes. In streng gezogenen Linien porträtiert Nesch die Hafenarchitektur. Durch ihre Schmucklosigkeit wird der funktionale Charakter der Bauten betont. Sie stehen damit in einem spannungsvollen Kontrast zur verspielten, wellenförmigen Linienführung im Bereich des Hafenbeckens und des Himmels. So gelingt es Nesch, die dynamische Wechselbeziehung von Kultur und Natur des Hamburger Hafens im Bild festzuhalten. Passend zur wasserbetonten Thematik malt er das Bild in Aquarellfarben.
Nesch reist 1922 auf eine Einladung des Hamburger Kaufmanns Carl Vincent Krogmann, der als sein erster Förderer und Sammler gilt, erstmals in die Hansestadt. Er ist sogleich begeistert von der dortigen Atmosphäre. Weitere Besuche folgen. Hierbei entstehen zahlreiche Gemälde und kleinformatige Radierungen vom Hafenbetrieb. 1929 siedelt Nesch ganz nach Hamburg über. Die intensive Beschäftigung mit der Hafenthematik mündet 1932 in der Grafikfolge »Hamburger Brücken«. Hierfür nutzt Nesch erstmals gezielt das Verfahren des Metalldrucks, das er in seiner Dresdener Zeit zufällig entwickelt hat.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- A-0966
- Material / Technik:
- Aquarell auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart