Das Diptychon »Fliegenfänger« gehört zu den abstraktesten Grafiken Christoph Meckels. Auch kommt es in ungewöhnlich spröder Gestaltung daher.
Beide Bildhälften sind gleich aufgebaut: Je zwei dunkle Streifen voller Ornamente rahmen oben und unten den hellen Bildstreifen in der Mitte. Vor dessen wolkigem, grauem Hintergrund lässt Meckel abstrakte Formen, Gegenstände und Figuren umherschweben. In der linken Bildhälfte tritt eine kleine Figur mit krausem Haar und Rückenflügel hervor. Sie balanciert auf einer Wippe. In der rechten Bildhälfte hat die titelgebende Fliegenfalle ganze Arbeit geleistet: Zahlreiche geflügelte Insekten wurden angelockt und festgeklebt. Auf den unteren Bildrand stützt sich schließlich ein alter Bekannter aus Meckels Bildwelt: der Bobosch. Er ist erkennbar an seinen hochstehenden Haaren und dem wie immer halb verdeckten Gesicht. Hier stochert er mit einem Taktstock nach der Fliegenfalle.
Ähnlich komplexe Bildgestaltungen finden sich auch in den anderen Diptychen des Grafikers. Sie entstehen sein 1987 parallel zu den Großen Zyklen. Als intimes Format ermöglichen sie Meckel die Vertiefung eines bestimmten Themas. Die Bildpaare sind oft als Bild und Gegenbild angelegt. Wie ein spätmittelalterliches Andachtsbild lassen sie sich mittels gedachtem Scharnier voneinander weg und zueinander hin klappen.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-137
- Material / Technik: Radierung auf Büttenpapier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart