Den »Fleischerladen« seiner Radierung setzt Otto Dix aus zwei Szenen zusammen: Im Vordergrund beugt sich eine Frau in Rückenansicht über eine Theke. Eine Waage mit Gewichten kennzeichnet diese als Verkaufstresen. Die Frau wendet sich einem kleinen Jungen mit Matrosenmütze zu, der gerade so über die Tischkante blicken kann. Direkt vor ihm liegen zwei scharf zugespitzte Messer – eine bedrohliche Anordnung, die unterschwellige Gefahr suggeriert. Selbst die Rüschen an der Schürze der Verkäuferin scheinen sich zu sträuben und verwandeln sich in stachelartige Zacken.
Im Hintergrund entfaltet sich der zweite Schauplatz: An Fleischerhaken hängen geschlachtete Schweine, vor denen zwei massige Metzger arbeiten. Ihre Gesichter sind grotesk verzerrt, den Tierköpfen ähnlich gemacht, bewusst entmenschlicht. Die tätowierten Armen und kahlrasierten Nacken wirken roh und unnachgiebig, ihre körperliche Präsenz verstärkt die beklemmende Atmosphäre.
Einzig eine hochgewachsene Zimmerpflanze am rechten Bildrand setzt einen stillen Kontrapunkt zur sonst so derben Szenerie. Der Fleischerladen entbehrt jeder Schönheit – stattdessen konfrontiert er den Betrachter mit der Brutalität des Alltäglichen und der unheimlichen Nähe zwischen Mensch und Tier.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2002-013
- Material / Technik: Kaltnadelradierung auf Kupferdruckpapier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
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