Nach vier Jahren des Selbststudiums in Italien kehrt Otto Reiniger 1888 in seine Heimatstadt Stuttgart zurück. Künstlerisch lockt ihn die Gegend des Feuerbacher Tals. 1905 erwirbt er das Landgut Tachensee im benachbarten Korntal. Angeregt durch die Erfahrungen in Italien bleibt die Landschaft das wichtigste Thema für Reiniger. Auch die französische Freiluftmalerei und der aufkommende Impressionismus prägen seine Malerei.
Der Feuerbach wird zu Reinigers »paysage intime«, zur »vertrauten Landschaft«. In unaufgeregten, oft hochformatigen Bildausschnitten zeigt er den Bach zu allen Tages- und Jahreszeiten. Seine Palette ist wie auf dem hier gezeigten Gemälde eher dunkeltonig, die satten Farben wirken mitunter schwer. Die untergehende Sonne lässt den Bach golden schimmern. Das Wasser kräuselt sich leicht, ansonsten liegt tiefe Ruhe über der Landschaft. Jeder Bildbereich steht für sich, nur ein paar Baumstämme spiegeln sich im metallisch wirkenden Wasser. Der Hintergrund verschwimmt im dämmrigen Licht, die Ufer des Baches liegen bereits im Dunklen. So verbreitet die Landschaft eine mystische Stimmung, die Reiniger in all ihrer Weichheit einfängt. Die Unschärfe des Hintergrundes erinnert zudem an Effekte der Fotografie. Im ausgehenden 19. Jahrhundert nimmt dieses neue Medium zunehmend Einfluss auf die Malerei.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- O-0401
- Material / Technik:
- Öl auf Leinwand
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
Foto: Uwe H. Seyl, Stuttgart