Titelgebend für das Bildpaar blauer Rechteckformen ist das im »Colour Index« als »Blue 28« gelistete Pigment für Cobaltblau. Dieses Farbmittel hat Thomas P. Kausel bei der einfarbigen Tafel vollständig und auf der anderen bei dem hochkant stehenden Rechteck in der linken Bildhälfte verwendet. Kausel hat die Bezeichnung des Pigments dort in Hellblau auf die Farbfläche geschrieben. Damit unterstreicht er ihre Bedeutung für die farbliche Gesamterscheinung des Bildpaars. Eine in Rot hervortretende Ziffernfolge als Bestandteil der Bezeichnung eines weiteren Pigments unterstützt die Wirkung der Blautöne. Die Anordnung der teils glatten, teils mit einem Kamm gerillten Farbfelder lässt an eine umrahmte lichte Öffnung in Form eines Fensters oder einer Bühne denken. Solcherlei Verwandtschaften mit Seherfahrungen in der sichtbaren Wirklichkeit treten in Kausels Bildwelt immer wieder auf. Sie schlagen einen Bogen zum Frühwerk, als Kausel noch gegenständlich arbeitet.
Das Kunstmuseum Stuttgart besitzt drei Diptychen von Thomas P. Kausel. Jeweils eine Tafel ist einfarbig gehalten. Die andere ist mit einem geometrischen Flächengefüge in unterschiedlichen Farbtönen gestaltet. Darunter befindet sich auch der Farbton der einfarbigen Tafel. Im Zentrum der Kompositionen steht das Farbmaterial selbst. Kausel verwendet nur reine, ungemischte und besonders lichtechte Pigmente. Welch großen Stellenwert das Farbmaterial für seine Bilder hat, macht er dadurch deutlich, dass er die Namen einzelner Pigmente, die er für ein Bild verwendet, zu einem Bestandteil der Komposition macht. Auf der Bildrückseite führt er darüber hinaus sämtliche Pigmente auf, die er auf der Vorderseite eingesetzt hat. Die Codes der Farben entsprechen dem international gültigen Standardwerk »Colour Index«.
Bei der Farbwahl hält sich Kausel konsequent an die Systematik des »Color Index«. In der Anordnung der einzelnen Farbflächen geht er dagegen deutlich intuitiver vor. Er sucht nach ausgewogenen Farbklängen. Teilweise lässt er sich dabei von der sichtbaren Wirklichkeit leiten, aus der er zu Beginn seiner Schaffensphase schöpft, bevor er sich der Abstraktion zuwendet. In seiner Malerei treffen somit Wissenschaftlichkeit und freier, künstlerischer Gestaltungswille aufeinander.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2024-016b
- Material / Technik: Öl auf Baumwolle
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Thomas P. Kausel / Foto: Kunstmuseum Stuttgart