Mit Beginn seiner Lehrtätigkeit an der Königlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart beschäftigt sich Adolf Hölzel verstärkt mit der Darstellung von Figurenkompositionen zu. Nun widmet er sich auch dem Bildthema des Aktes, das er zuvor gemieden hat. Im Jahr 1908 entstehen eine Vielzahl von Studien, die sich mit dieser Darstellungsform von Körperlichkeit beschäftigen. Im Gemälde »Erwachen I« thematisiert Hölzel den liegenden Körper und positioniert drei Figuren auf einer Art Chaise longue. Trotz der Ruhe der Figurengruppe wirkt der Bildraum als Ganzes dynamisch bewegt: Mit einem spontanen Gestus und einem breiten, immer wieder neu ansetzenden Pinselstrich stilisiert Hölzel die Objekte im Bildraum, sodass sie losgelöst von der naturalistischen Erscheinung nur noch in ihren wesentlichen Grundzügen erkennbar sind. Auch die Farben wählt Hölzel freier als zuvor. Sie sind nur in Ansätzen mit den Lokalfarben der Bildgegenstände identisch. Auf diese Weise gelangt Hölzel zu einer ursprünglichen, fast naiven Darstellungsweise, die sich allen Forderungen akademischer Konventionen verweigert.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- O-2769
- Material / Technik:
- Öl auf Leinwand
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
Foto: Kunstmuseum Stuttgart