In den 1880er Jahren gehen die ersten elektrischen Straßenbahnen in Berlin in Betrieb. Etwa dreieinhalb Jahrzehnte später fängt Otto im Holzschnitt die Faszination und Dynamik der neuen Technik ein. Auf schräg durchs Bild verlaufenden Schienen bremst eine Straßenbahn vor einer Haltestelle. Ihre Räder schlagen dabei einen Funkenregen. Der Wagen mit der Nummer 42 wird von einem Lokführer gesteuert, dessen Arme in kantigen Winkeln gebrochen erscheinen. Er wird so zum mechanisierten, fast marionettenhaften Wesen, dem jegliche Gesichtszüge fehlen. Ganz anders die Fahrgäste: Ihre Gesichter spiegeln das bunte Treiben der Stadt.
Über der Bahnlinie explodiert ein Bündel aus Blitzen, das unkontrolliert in alle Richtungen ausschlägt. In das elektrische Lichtspektakel fügen sich Sterne ein, die auch Teil des Nachthimmels sein könnten. Im Vordergrund leuchtet eine Straßenlaterne. Sie verstärkt das Spiel aus Licht und Schatten und verankert die Szene in der nächtlichen Großstadt.
Mit seinen reduzierten und gestischen Formen steht Dix‘ Holzschnitt im Zeichen des Expressionismus. Doch lassen sich auch Anklänge an die Dynamik des Futurismus erkennen: Die Verzerrung der Perspektive, die Fragmentierung der Bewegung und die Elektrifizierung der Stadt erscheinen als Sinnbild des technischen Fortschritts – zugleich faszinierend und unheimlich.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2001-025
- Material / Technik:
- Holzschnitt auf Büttenpapier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart