Auf dem vertrockneten, strohgelben Ufer im Vordergrund des Landschaftsbildes türmen sich Eisschollen, die von den Wellen angeschwemmt worden sind. Inzwischen hat sich der See wieder etwas beruhigt. Auf seiner Oberfläche schwimmen weitere Teile der aufgebrochenen Eisdecke. Eine gewaltige schwarze Gewitterwolke hängt dicht über dem Gewässer. Sie spiegelt sich Im Wasser als dunkle, blaugrüne Fläche. Nicht nur den See, auch seine Ufer lässt Dix menschenleer. Vielleicht möchte er so das Ideal einer rauen, vom Menschen unberührten Natur zum Ausdruck bringen. Genauso gut ließe sich die Seenlandschaft als Symbolbild einer als hoffnungslos empfundenen Gegenwart mitsamt ihrer bedrückenden, fast apokalyptischen Stimmung verstehen. Die verdorrten, zerbrochenen Äste, der wie tot erscheinende Uferbewuchs und die zertrümmerten Eisschollen sprechen deutlich von der Verwüstung und der Urgewalt der Natur.
Vor allem in seinen Landschaftsbildern vertieft sich Dix in der Zeit des Rückzugs an den Bodensee während der NS-Diktatur in altmeisterliche, spätmittelalterliche Maltechniken. Er schildert dramatische Naturszenen, in denen Menschen weitgehend abwesend sind. Der Künstler formuliert bildnerische Gleichnisse für die Bedrohungen des menschlichen Seins durch den Krieg und das Leben in der Diktatur. Motivisch erarbeitet er sich so auf künstlerischem Weg die Umgebung am Bodensee.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2007-011
- Material / Technik: Öl und Tempera auf Holz
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart