Mit gebeugtem Rücken und den Betrachter:innen zugewandtem Haupt sitzt der gepeinigte Christus in sich zusammengesackt auf einem Stuhl. In der rechten Hand hält er den Stock, mit dem er gemartert wurde. Die Linke liegt auf seinen Knien und hält den roten Mantel fest. Über sein leidgeprägtes Gesicht strömt das Blut aus den Wunden, die ihm mit der Dornenkrone zugefügt wurden. Der gegeißelte Körper zeigt über und über die Verletzungen der Marter. Das klassische Motiv wird auch als »Christus in der Rast« bezeichnet. Otto Dix überträgt es in die eigene Gegenwart nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Christus sitzt auf einem etwas altmodischen Stuhl vor der Backsteinwand eines zerstörten Gebäudes. Aus dem gemarterten Sohn Gottes wird ein Sinnbild der durch Diktatur und Krieg gebrochenen Menschlichkeit.
Wie viele moderne Künstler setzt sich auch Dix intensiv mit den Geschichten der Bibel auseinander. So seien hier die Urthemen der Menschheit zu entdecken. Häufig überträgt er Partien als Gleichnisse auf seine eigene Gegenwart an. Mit den alten Sinnbildern bezieht er Stellung zum aktuellen Zeitgeschehen. Doch nie sind diese Kommentare plakativ oder eindeutig zu entziffern.
Werkdaten
- Inventarnummer: LG-684
- Material / Technik: Öl, Tempera und Spachtelmasse auf Hartfaserplatte
- Creditline: Sammlung FREUNDE des Kunstmuseums Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart