Größe28,5 x 32,9 cm

Lily Hildebrandts künstlerisches Werk ist sehr vielfältig. Ausgebildet zur Malerin, wendet sie sich später der Hinterglasmalerei zu. Sie fotografiert und publiziert in den 1920er-Jahren zur Sicherung des Lebensunterhalts in der Tagespresse. 1918 erscheint ihr Kinderbuch »Klein-Rainers-Weltreise«, in dem sie ihren Sohn in 14 Farblithografien um den Erdball schickt. Die Papiercollage »Dorf« entsteht vermutlich in diesem Zusammenhang, eventuell als Vorstudie. Eingebettet in ein Tal, umgeben von einer Stadtmauer und fließendem Wasser, baut sich das Dorf aus großen bunten Farbflächen auf, die nur durch wenige Details wie Fenster unterbrochen werden. Lily Hildebrandt konzentriert sich in ihrer Ausdruckstechnik auf die wesentlichen Elemente Farbe und Form. Die Modernität dieser Bildsprache nutzt sie gekonnt für das Medium Buch. »Klein-Rainers-Weltreise« gilt heute als eines der bedeutendsten Beispiele für das experimentelle Kinderbuch.
Lily Hildebrandts Werdegang als Malerin beginnt in Berlin. Da ihr der Zugang zu den Kunstakademien verwehrt bleibt, studiert sie wie viele junge Künstlerinnen ihrer Zeit zunächst an der privaten Malschule von Adolf Mayer. Bereits dort macht sie Bekanntschaft mit Ida Kerkovius, mit der sie später in Stuttgart eine lebenslange Freundschaft verbindet. Im Rahmen einer Exkursion nimmt Lily Hildebrandt an einem Sommerkurs bei Adolf Hölzel in Dachau teil, ab 1911 besucht sie seine Damenklasse an der Stuttgarter Akademie. Schon sehr früh dokumentiert Lily Hildebrandt Hölzels Vorlesungen, auch für ihren Mann, den Kunsthistoriker Hans Hildebrandt.
Trotz ihres Erfolgs als Künstlerin gibt Lily Hildebrandt ihren Beruf 1944 auf. Zu den Gründen hat sie sich nie geäußert, aber ihre jüdische Herkunft sowie die mangelnde Unterstützung ihres Mannes mögen Gründe dafür gewesen sein.

Werkdaten
Inventarnummer: Z-259-25
Material / Technik: Buntpapiercollage
Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
Foto: Kunstmuseum Stuttgart
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