Mit seinem Werk »Doppelkäseplatte« thematisiert Dieter Roth Fragen der Veränderung: Wie können wir sie aufhalten oder zumindest künstlerisch festhalten? Die Arbeit lässt sich – wie weitere Werke von Roth – der Eat Art zuordnen, einer Stilrichtung, bei der Lebensmittel als Kunstmedium verwendet werden. Im konkreten Fall handelt es sich um verschiedene Käsesorten. Anhand des Essbaren werden die Vergänglichkeit und der natürliche Zerfall bewusst in den künstlerischen Prozess einbezogen. Der unausweichliche Verfall ist dabei ein ganz zentraler Bestandteil der Arbeiten. Eindrücklich soll der Kreislauf von Wachsen und Vergehen verdeutlicht werden. Das starre Tafelgemälde, das lange als das Kunstmedium schlechthin gilt, wird nun durch Themen wie Interaktion und Prozesshaftigkeit in Bewegung gesetzt.
Roths Werk bricht mit der Tradition, Kunstwerke als zeitlos und beständig zu betrachten. Stattdessen wird die Veränderung selbst zum Kunstwerk, wodurch die Rolle der Künstler:innen und die Betrachtung von Kunst neu definiert werden. Das Kunstwerk verändert sich stetig in seinen Farben und Strukturen und die Betrachtenden erleben es immer wieder in neuer Erscheinung. Unweigerlich werden dabei auch Fragen der Grenzen von Kunst in Bezug auf die Materialverwendung und Ästhetik aufgeworfen.
Werkdaten
- Inventarnummer: 1998-020
- Material / Technik: Organische Materialien und Holzleiste zwischen 2 Glasscheiben und Messingrahmen
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Dieter Roth Estate, Courtesy Hauser und Wirth / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart