Die schwarzen Männer

Größe176 x 224,5 x 3,8 cm
Unheimlich und furchteinflößend sehen diese Gestalten aus, die sich bei näherer Betrachtung als Skelettmänner in schwarzer Kleidung entpuppen. Der linke, mit seiner Kleidung als Arbeiter charakterisierte Mann wendet sich rauchend von den anderen ab, sein Nachbar mit dem ausladenden Filzhut, Gehstock und Tulpenstrauß steht als Repräsentant für das Bürgertum. Neben ihm befindet sich ein Straßenverkäufer, dessen Käppi mit dem Schriftzug »NS-Kurier« den Namen der Zeitung verrät, die er anbietet, seine Armbinde zeigt seine politische Gesinnung. Diese drei Gestalten bilden kompositorisch eine Gruppe. Von ihnen wendet sich der Mann im Kutschermantel, ausgestattet mit einem Arztkoffer, ab, fast als wolle er die Straßenszene verlassen. Eingebettet vor einen wohl städtischen Hintergrund wirken die Skelettmänner wie dunkle Gestalten der Nacht. Das Gemälde wirft viele Fragen auf. Es entsteht 1934, aber Hermann Sohn zeigt es nie der Öffentlichkeit. Erst nach seinem Tod wird es 1985 in einer Gedächtnisausstellung anlässlich seines 90. Geburtstags präsentiert und zugleich als Gemälde des Widerstands gedeutet. Vermutlich ist es aber wohl weniger ein Gemälde des öffentlichen Aufbegehrens gegen den herrschenden Nationalsozialismus als vielmehr ein unmittelbarer Ausdruck der Ängste, die Sohn im Entstehungsjahr des Werks zunehmend bedrängt haben müssen. Wem kann man trauen in einer Gesellschaft, in der sich die nationalsozialistische Gesinnung durch alle Schichten zieht? Mit den in Schwarz gekleideten Knochenmännern greift Hermann Sohn die überlieferte bildliche Darstellung des Todes auf, durch die zeitgenössische Kleidung setzt er ihn als triumphierende Bedrohung in die Gegenwart.
Werkdaten
Inventarnummer:
O-2683
Material / Technik:
Öl auf Leinwand
Creditline:
Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz

1934–1971 Hermann Sohn, Esslingen a.N.; 1971-1985 Familie Sohn, künstlerischer Nachlass; 1985 Retrospektive Hermann Sohn, Schloss Dätzingen, Grafenau; 1985, 08.07. Galerie Schlichtenmaier, Stuttgart; 1985, 08.07. Städtische Galerie, Stuttgart

Lizenzhinweis
© Künstler:in und Nachfolge / Foto: Uwe H. Seyl, Stuttgart
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