Diaspern 0

Größe210 x 150 cm
Zeichnung ist vom Prinzip her zuallererst Setzung. Eine undefinierte Fläche wird durch das Setzen eines Zeichens definiert, sie wird im doppelten Wortsinn bezeichnet. Was zuvor unbestimmt ist, wird durch die Zeichnung konkret. Basierend auf diesen Grundgedanken entwickelt Katharina Hinsberg ihr Werk von Beginn an konsequent aus der Beschäftigung mit Zeichnung. »Diaspern I + O« von 2007 besteht aus jeweils zwei großen aufeinanderliegenden Papierbögen. Auf die ersten hat Hinsberg lange senkrechte Linienspuren aus Grafit gezeichnet, die an herabrinnende Wassertropfen erinnern. Anschließend hat sie diese Linien mit dem Skalpell aus dem Papier herausgeschnitten. Der darunterliegende Bogen wird dabei ebenfalls zerschnitten und es entstehen zwei nahezu identische Schnittzeichnungen. Dadurch fließen mehrere traditionelle Funktionen von Zeichnungen in die Arbeit »Diaspern« ein: Zum einen können Zeichnungen eine Vorzeichnung sein, so dient Blatt »I« als Schablone für Blatt »O«. Zum anderen lässt sich eine Zeichnung durchpausen. Im vorliegenden Werk wird die Vorlage auf Papier übertragen. Zudem spielt Hinsberg mit der Vorstellung von Zeichnung als einem spontanen, unmittelbaren Akt, der durch das mühselige Verfahren des Schneidens unterlaufen wird. Dadurch veranschaulicht sie, dass Zeichnen ein räumlicher Setzungsakt ist. Die Bleistiftlinien werden durch das Wegschneiden materiell erfahrbar.
Werkdaten
Inventarnummer:
2007-034b
Material / Technik:
Graphit auf Papier, ausgeschnitten
Creditline:
Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Kunstmuseum Stuttgart
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