Die nationalsozialistische Besetzung Norwegens 1940 trifft Rolf Nesch schwer. Er wendet sich in seiner Kunst verstärkt religiösen Themen zu. Die Figur des von Pfeilen durchbohrten heiligen Sebastian wird für Nesch zum Antikriegsmotiv. Er versteht es auch als Symbol der eigenen Verfolgung als Regimegegner.
Der heilige Sebastian verrenkt sich in der Bildmitte in ekstatischen, schmerzvollen Bewegungen. Von beiden Seiten bedrängen ihn Fabelwesen mit Pfeil und Bogen oder Musikinstrumenten. Rechts oben hält eine Figur ein Plakat mit der Aufschrift »Til Pablo Picasso« (»Für Pablo Picasso«) hoch. Nesch reagiert hier auf die Falschmeldung, dass Picasso 1942 angeblich in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert worden sei.
1959 erwirbt die Galerie der Stadt Stuttgart, Vorgänger des heutigen Kunstmuseums, den »Heiligen Sebastian« als eines der Hauptwerke Neschs. Das Materialbild aus Mosaiksteinen und Metallplatten hat in den 1960er-Jahren seinen festen Platz im Galeriegebäude. Angeblich aus diesem Grund darf es auch Nesch selbst es nicht ausleihen, als er es 1962 auf der Biennale in Venedig präsentieren möchte.
Werkdaten
- Inventarnummer: V-0041
- Material / Technik: Materialbild
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart