In wenigen Grafiken nähert sich Christoph Meckel so deutlich dem Zeitgeschehen wie bei »Demonstration«. Auf den Außenseiten des Triptychons blicken wir ins Herz der Demonstrationszüge. Banner mit Parolen wie »Make Love Not War«, »Rot bleibt Rot« oder »Hoho Ho Chi Min« rufen Bilder der großen Antikriegsdemonstrationen der 1960er Jahre und der sozialistischen Revolutionsforderungen der linken Studentenbewegung auf. Fehlstellen in den Bannern und Parolen sorgen für Störeffekte im Bild. Im Gemenge vermischen sich Demonstranten und Polizisten. Rechts unten im rechten Bildteil betrachtet auch Meckels Alter Ego Moël mit seinem Fisch das Geschehen.
Im mittleren Bildteil schließlich walzt sich die Demonstration durch eine Stadt. Ein umgestürztes Auto und ein von der Polizei festgehaltener Demonstrant dienen als Beleg des Gewaltpotenzials. Es entlädt sich in gegenseitig aufgeheizter Stimmung. Entrüstet schauen wohlstandssatte Gesichter aus den Fenstern ihres Hauses. Auch sie haben eine Forderung: »Ruhe!«
Die Triptychen begleiten Meckels große Grafikzyklen. Mit ihnen fokussiert er auf einzelne Themen und Miniaturwelten. Bei den Triptychen, die auf einem Blatt gedruckt werden, trennt er formal zwischen breitem Mittelteil und schmalen Seiten. Stärker als in den Zyklen bezieht er Stellung zur Gegenwart als »politischer Zeit«.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-135
- Material / Technik: Radierung auf Büttenpapier
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart