Risse und Narben durchziehen die gesamte Büste so, wie der Kolonialismus tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen hat. Mehrere solcher Büsten aus Teakholz fertigt der französisch-algerische Installationskünstler Kader Attia in einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen und Kunsthandwerker:innen aus dem Senegal. Als Vorlage verwenden sie Fotografien von sogenannten gueules cassées, verwundeten Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die Brutalität eines traumatischen Erlebnisses wird im Werk durch die kraftvoll gesetzten Schläge und Einritzungen in das Holz zum Ausdruck gebracht. In »Culture, Another Nature Repaired« überziehen tiefe Einkerbungen den gesamten unteren Bereich des Kopfes gleichsam so wie die dauerhaften natürlichen Risse in der Holzmaserung im unbearbeiteten Holzsockel. Die Büste ist auf einem vierbeinigen Metallständer platziert; insgesamt hat die Installation eine Höhe von 2,34 Meter, wodurch der Kopf alles überragt. Attia verdeutlicht damit die massive Gewalt und die mit ihr einhergehenden Wunden.
Die Thematik von soziokultureller Gewalt und Heilung zieht sich wie ein roter Faden durch seine Werke.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2025-001
- Material / Technik: Holzbüste auf Metallständer
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart