In ihren Arbeiten befasst sich Marta Vovk unter anderem mit ihrer Kindheit als ukrainische Migrantin in Niedersachsen sowie mit Fragen kultureller Identität. In dem hier gezeigten Werk hat sie den Adler, das Wappentier der Bundesrepublik Deutschland, zentral ins Bild gesetzt. Er ist übersprüht mit schwarzer Farbe und verliert dadurch an Wertigkeit, möglicherweise wird die nationale Identität infrage gestellt. Unter ihm befindet sich ein Ausmalbild eines Deutschen Schäferhunds, das einem Malbuch für Kinder entnommen sein könnte. Auch hierin spiegelt sich ein ironisches Gedankenspiel mit Nationalem, »typisch Deutschem«.
Der Hintergrund des Bildes, der an gekachelte Wände erinnert, erzeugt den Eindruck, dass wir auf Vertrautes aus dem Alltag blicken. Die chinesischen Schriftzeichen verweisen insbesondere auf die Popkultur der 1990er- und 2000er-Jahre. Eine wörtliche Übersetzung ist schwierig, sinngemäß bedeuten sie »vergeude deine Zeit nicht« beziehungsweise »nutze den Tag«. Damit knüpfen sie an den lateinischen Spruch »carpe diem« an, der durch seine massenhafte Verwendung inzwischen an Aussagekraft verloren zu haben scheint. Er ist zugleich der Werktitel.
In ihrer Arbeit hat Vovk alltägliche Symbole und kulturelle Bezüge spielerisch, ironisch, aber auch kritisch zu einem nostalgischen und vielschichtigen Bild kombiniert, ohne eine Deutung vorzugeben. So lässt sie Raum für persönliche Gedanken.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2024-026
- Material / Technik: Acryl, Fenster- und Sprühfarbe auf Leinwand
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Marta Vovk / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart