Das hier gezeigte Werk zählt zu Ida Kerkovius‘ Spätwerk, einer vielgestaltigen Schaffensperiode. Die Formensprache der von Häusern und Gärten geprägten Landschaftsdarstellungen ist dabei sehr eigenwillig: Obwohl sie auf Gegenständliches verweist und sich somit eines bekannten Vokabulars bedient, enthält sie etwas Ungreifbares. Traumbildartig scheinen die Formen wie die Zahnräder eines Uhrwerks ineinanderzugreifen und sich zu einem großen, surrenden Gesamtgefüge zu verbinden. Im freien Spiel mit der Perspektive lotet Kerkovius die Grenzen des Vorstellbaren weiter aus: Ein Topf mit gelben Blumen, der den Vordergrund des Werks »Blick aus dem Fenster« bestimmt, klappt nach oben, sodass er den Betrachter:innen des Bildes beinahe in der Vogelperspektive gegeben ist. In der Logik des ansonsten zentralperspektivisch angelegten Bildaufbaus müsste er in dieser Position vom Fensterbrett kippen. Doch die gewohnten physikalischen Gesetzmäßigkeiten scheinen im Bildraum aufgehoben zu sein. In Verbindung mit der Materialität der Bildobjekte, die durch ihre transparente Farbqualität gläsern wirken, entsteht der Eindruck von Unwirklichkeit, der in seiner Widersprüchlichkeit bemerkenswert harmonisch wirkt.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2013-038
- Material / Technik:
- Aquarell, Gouache und Bleistift auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Kerkovius Archiv Wendelstein / Foto: Kunstmuseum Stuttgart