Der Zahnmediziner Dr. Dr. Richard Merz steht angelehnt am Fensterbrett mit dem Rücken zum Fenster in seinem Behandlungszimmer. Sein Körper ist leicht nach vorne geneigt und der Blick frontal den Betrachtenden zugewandt. Markant ist das Gesicht mit der hohen Stirn, den mandelförmigen Augen unter kräftigen Brauen, der schlanken Nase und dem kleinen schmallippigen Mund. Das nach hinten gelegte volle braune Haar unterstreicht diese charakteristischen Züge des Porträtierten. In die rechte Bildhälfte ragen, detailliert in Nahsicht wiedergegeben, der metallene Arm mit dem Ablagetablett für die medizinischen Instrumente und jener mit der Behandlungslampe in das Bild. Durch den in Falten hängenden Vorhang blickt man auf die in der Innenstadt von Stuttgart gelegene Gymnasiumstraße mit ihren hohen, fensterreichen Wohnhäusern und unterschiedlichen Giebeldächern.
Hermann Fechenbach lebt von 1924 bis zu seiner Auswanderung nach England 1939 in Stuttgart, wo er sich schon früh als meisterlicher Druckgrafiker einen Namen macht. Darüber hinaus malt er in dieser Zeit etliche Porträts im Stil der Neuen Sachlichkeit, einer sachlich-nüchternen, eng an der sichtbaren Wirklichkeit orientierten Bildsprache. In dieser Werkphase entsteht auch das undatierte Gemälde von Dr. Dr. Richard Merz. Fechenbach, der nur ein Jahr älter als Merz war, hat ihn hier im Alter zwischen Mitte 20 und Ende 30 festgehalten.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2021-005
- Material / Technik: Öl auf Leinwand
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart, Schenkung Ingeborg Merz-Haas und Dr. Dr. Richard Merz
Provenienz
o.D.–o.D. Hermann Fechenbach ; o.D.–1998 Dr. Dr. Merz-Haas; 1998–2021 Ingeborg Merz-Haas; 2021, Februar Kunstmuseum Stuttgart
Lizenzhinweis
© Pat Mooney / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart