Weniger das Porträt eines Mädchen als vielmehr das einer jungen Frau malt Otto Dix mit dem hier gezeigten Gemälde. Es entsteht, während er als Professor an der Dresdener Kunstakademie lehrt. Die gezeigte Frau gehört in dieser Zeit zu seinen Aktmodellen, deren persönliche Ausstrahlung er im Brustbild einfängt. Vor blauem Hintergrund tritt ihr Gesicht fast leuchtend in Erscheinung und wird umspielt von der sorgsam in Form gebrachten, golden schimmernden, kinnlangen Lockenfrisur. Ihre blauen Augen werden von weit ausschwingenden Brauen überfangenen und blicken unter einer hohen Stirn auf etwas Unbestimmtes. Zwischen den roséfarbenen Wangen leitet die kleine, wohlgeformte Nase über in das Lächeln des dezent geschminkten Mundes über dem spitz zulaufenden Kinn. Der lange Hals ist schmucklos und der Ansatz des hellbraunen Oberteils ist von gelben Lichtflecken durchsetzt. Dix‘ Interesse gilt im Besonderen den Gesichtszügen, die über das Wesen des Modells näheren Aufschluss geben soll.
In Dix‘ Werk nimmt das Porträt großen Raum ein. Sein Leben lang hat ihn künstlerisch wenig mehr gefesselt als der Mensch. Bei seinen Bildnissen handelt es sich aber nie um reine Abbilder, sondern um Interpretationen bestimmter Menschentypen aus künstlerischer und persönlicher Sicht.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-2439
- Material / Technik: Öl und Tempera auf Malkarton
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz
1932–o.D. Otto Dix; o.D.–o.D. (spätestens 1955) Nelly Dix; o.D.–1980 Bettina Dix-Pfefferkorn; 1980 Kunstmuseum (Galerie der Stadt) Stuttgart
Lizenzhinweis
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