Dr. Julius Hesse ist Gründer der Düsseldorfer Farbenfabrik Schmincke. Bis heute ist sie einer der namhaften Produzenten für Künstlerfarben. Nachdem Otto Dix im Herbst 1922 von Dresden nach Düsseldorf umgezogen ist, macht er bald darauf die Bekanntschaft des Farbenfabrikanten. Im Porträt präsentiert er Hesse als sportlich-elegant gekleideten Herrn in »bestem Alter«. Die Halbfigur im Dreiviertelprofil füllt die rechte Bildhälfte aus. Er steht vor einer mächtigen Maschine mit Farbwalzen, dahinter leuchtet das Rot einer Backsteinwand. In den Händen hält er die Probe einer roten Farbe. Blick und Körperhaltung lassen ihn nachdenklich und konzentriert erscheinen. Dix fokussiert in seinem Porträt auf den beruflichen Status des Porträtierten. Er verbindet die Wiedergabe der individuellen Persönlichkeit Hesses mit Merkmalen, die ganz allgemein mit einem Fabrikanten zu verbinden sind. Damit greift er Konventionen der spätmittelalterlichen Bildnismalerei auf.
Die Porträtkunst nimmt im Werk von Otto Dix großen Raum ein. Seit den 1920er Jahren perfektioniert er dabei seine Feinmalerei. Die Porträts schwanken zwischen teilweise grotesker Überzeichnung und fotorealistischer Annäherung an sein Sujet.
- Inventarnummer: 2008-055
- Material / Technik: Öl und Tempera auf Sperrholz
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
1926 Otto Dix; 1926–1937 Dr. Julius Hesse, Düsseldorf (Ankauf über Nierendorf); 1937–vielleicht 1950er Jahre Gerta Hesse, Ehefrau von Julius Hesse (oder Erbe gleich an den Sohn?); o.D.–1992 Konsul Ernst Oswald Hesse, Düsseldorf, Sohn des Porträtierten; 1992–2007 Ursula (Maria Josefine) Hesse geb. Patscher, Düsseldorf, 2. Ehefrau von Ernst O. Hesse; 2007, März –2008, Aug. Erbengemeinschaft Peter J. Hesse und seine Halbgeschwister Dr. Ariane Hesse und Thomas E. Hesse; Aug. 2008–heute Kunstmuseum Stuttgart
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