Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
Häufig verwendet sie in ihrer Kunst Wortspiele und deutet Begriffe um. Dadurch erhalten ihre Werke einen ironischen Unterton. So wird in der hier gezeigten Arbeit durch ein Etikett aus der Mausefalle die »Beifalle«. Das Wort erinnert an Applaus, lässt sich aber auch als Anspielung auf den sogenannten Beifang verstehen, bei dem es sich um mitgefangenes unerwünschtes Gut handelt. Der Alltagsgegenstand wird so zu einem vielschichtigen Objekt, dessen Deutung den Betrachter:innen überlassen bleibt.
Die Arbeit ist eine der wenigen Werke, die Jehle mit ihrer Unterschrift »A. M. Jehle« signiert hat. Ihre Vornamen hat sie dabei absichtlich nicht ausgeschrieben, um keine rollenspezifischen Denkmuster in Bezug auf ihre gesellschaftliche Stellung als Frau und Künstlerin aufkommen zu lassen.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- 2022-033
- Material / Technik:
- Holz, Papier, Schnur und Lack
- Creditline:
- Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart