In der hier gezeigten Grafik, die zu Reinhold Nägeles frühen Radierungen zählt, thematisiert er das Aufeinandertreffen von Natur und Technik. Wie fast seine gesamte Druckgrafik ist auch diese Ätzradierung in Schwarzweiß ausgeführt. Detailreich schildert er in ihr die Geländeformation bei Fornsbach in der Nähe seiner Geburtsstadt Murrhardt. Das Flüsschen, nach dem die Stadt benannt ist, durchzieht ein breites Tal zwischen bewaldeten Hügeln. Darüber führt eine Eisenbahnbrücke von einem Ufer zum anderen, begleitet von einer parallel zu ihr verlaufenden Telegrafenleitung. Nägele zeigt damit, dass sich der technische Fortschritt in Verbindung mit den Ansprüchen des modernen Menschen zusehends der Natur ermächtigt. Das Thema der Landschaft, die von Bahnschienen und Leitungen durchzogen wird, wählt Nägele vor allem in den 1910er-Jahren als Bildmotiv. Er ist fasziniert von den technischen Entwicklungen seiner Zeit. Als es die finanzielle Situation zulässt, erwirbt er bei Murrhardt eine steile Wiese zwischen dem Wald und der Bahnlinie, um sich darauf ein kleines Haus zu bauen.
Werkdaten
- Inventarnummer:
- R-0302
- Material / Technik:
- Radierung auf Papier
- Creditline:
- Kunstmuseum Stuttgart