Anne Marie Jehles Kunst bewegt sich in einem Spannungsfeld von persönlicher Wahrnehmung der eigenen Rolle als Künstlerin und als Frau und den Erwartungen, die die Gesellschaft mit diesen Rollen verbindet. Einhergehend damit sind Machtverhältnisse ebenso ein immer wiederkehrendes Thema in ihrer Kunst. Ihre Werke, die sie aus Materialien des Alltags fertigt, lassen sich als feministische Selbstbehauptung verstehen.
»art world woman?« (dt.: »Kunst Welt Frau ?«) lautet die zentrale Frage, die Jehle hier im Bild zur Diskussion stellt. Der breite Pinselstrich, die schnell und ungleichmäßig aufgetragene Farbe sowie das mittig platzierte Fragezeichen unterstreichen deren Dringlichkeit. Die Frage ist an uns gerichtet. Zugleich offenbart sie aber auch die Gedanken, die Jehle selbst beschäftigen. Dabei geht es um das Verhältnis der drei Pole Kunst, Welt und Frau zueinander. Jehle sieht sich in ihrer Zeit mit einer männlich dominierten Kunstwelt konfrontiert, die sich nur wenig offen für eine Künstlerin zeigt. Immer wieder betont sie die Schwierigkeiten, als solche in der Kunstwelt der 1960er-und 1970er-Jahre ernst genommen zu werden. Auch ihr Lebensmittelpunkt im heimatlichen Feldkirch erweist sich als ein Standortnachteil für den Zugang zu den städtischen Kunstszenen.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-041
- Material / Technik: Acryl und Kreppklebeband auf Leinwand
- Creditline: Schenkung Anne Marie Jehle Stiftung
Lizenzhinweis
© Nachlass Anne Marie Jehle / Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart