Eine Ruine und ein Grabmonument stehen in einer Waldlandschaft an einem Gewässer. Im Vordergrund sind antike Architekturfragmente zu erkennen. Der Himmel ist heiter, die Sonne scheint direkt auf das Grabmal, an dem drei Hirten rasten. Dem Monument gegenüber erscheinen zwei alte Mönche im Schatten einer Baumgruppe. Die Hirten- und die Mönchsgruppe entsprechen einander: Jeweils eine Figur steht, die anderen lagern am Boden. Während die Mönche Spiritualität und religiöse innere Einkehr verkörpern und über die Vergänglichkeit der Welt nachdenken, blicken die Hirten, die für das tätige Leben stehen, auf die antiken Überreste. Bei dem Hirtenmotiv orientiert sich Adolf Friedrich Harper an den beiden berühmten Gemälden »Die arkadischen Hirten« (um 1627 und um 1637/38) von Nicolas Poussin.
Landschaftsbilder mit Elementen, die an die Mythologie erinnern, und mythisierende Bildungslandschaften, die an sagenhafte Epochen denken lassen, erfreuen sich im 18. Jahrhundert großer Beliebtheit. Es ist die Zeit der Bildungsreisen des Adels, auf denen Italiens antike Stätten besucht werden. Die Ruinen vergegenwärtigen die untergegangenen Kulturen. In Harpers Landschaft verweisen darauf das Kapitell, der Säulenschaft und das Grabmonument. Den kopflosen Medici-Löwen auf dem sarkophagähnlichen Sockel mit Lorbeergirlande hat Harper frei erfunden. Durch den niedrigen Horizont erhebt sich die Löwenskulptur majestätisch in die Höhe. Sie und ihr Sockel sind der hellste Punkt im Bild.
Der in Berlin geborene Landschaftsmaler Adolf Friedrich Harper kommt 1756 nach Stuttgart. Herzog Carl Eugen ernennt ihn zum Hofmaler und zum Professor der Kunstakademie. Für Johann Wolfgang von Goethe ist Harper der »geborene« Landschaftsmaler.
Werkdaten
- Inventarnummer: O-1182
- Material / Technik: Öl auf Leinwand
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz
1777–o.D. Adolf Friedrich Harper, Stuttgart; Provenienzlücke; 1937, März Kunstauktionshaus Lempertz, Köln ?; Provenienzlücke ?; o.D.–1954 Kunst- und Auktionshaus Hermann Combé, Stuttgart; 1954 Städtische Galerie, Stuttgart
Lizenzhinweis
Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart