Das Kinderbildnis zeigt vor grauem Hintergrund einen Jungen im Alter von etwa zehn Jahren. Zur schwarzen, faltigen Hose trägt er über einem gestreiften Unterhemd eine schwarze Jacke mit Flicken und Löchern, die sich nur noch mit zwei Knöpfen verschließen lässt. Auch ist er, das verraten die zu kurzen Ärmel, bereits aus der Jacke herausgewachsen ist, muss sie aber offenbar weiter tragen. Seine Arme liegen am Oberkörper an, die Hände etwas geöffnet, so als hätten sie gerade ein Stück Arbeit verrichtet. Unter seiner schwarzen Schirmmütze kleben verschwitzte Haarsträhnen auf seiner Stirn. Aus seinem fahlen Gesicht mit den geröteten Wangen schauen große blaue Augen, von denen das rechte den Betrachter fragend ansieht, während das linke abwesend in eine andere Richtung blickt. Über seiner Nase haben sich Sorgenfalten eingegraben, die zusammen mit den hochgezogenen Augenbrauen und dem ernsten Mund seine Bekümmerung deutlich machen.
Dix hat das Bildnis des Arbeiterjungen nicht lange nach dem Ende des ersten Weltkriegs gemalt. Deutschland hat den Krieg verloren, Wirtschaft und Gesellschaft ächzen in den 1920er-Jahren unter Kriegsschulden und Inflation. Die verheerendsten Folgen tragen die unteren Gesellschaftsschichten, für die der erschöpfte, aber auch stolz und trotzig wirkende Arbeiterjunge hier stellvertretend steht.
- Inventarnummer: O-2512
- Material / Technik: Öl auf Leinwand
- Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
1920–? Otto Dix; 1925–1937 Mannheim, Städtische Kunsthalle; 1937–1940 Deutsches Reich, Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Berlin, Beschlagnahme; 1940–? (frühe 1940er Jahre) Güstrow, Kunsthändler Bernhard A. Böhmer, Tausch; frühe 1940er Jahre–1980 Privateigentümer, Direkterwerb von Böhmer; 1980–1982 Erben des Privateigentümers; 1982–heute E: LHS Stuttgart, B: Kunstmuseum Stuttgart
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