Anbetung der Engel

Größe84,6 x 101,5 x 9,5 cm
Die Komposition ist ausgerichtet auf die beiden großen Engel mit den leuchtend gelben Gewändern, die Maria mit dem Kind huldigen. Die zeltartige Wand hinter ihnen fasst alle Figuren in einer Dreieckskomposition zusammen. Die Spitze dieses Zeltes teilt die Bildfläche im Goldenen Schnitt und schafft durch die Verschiebung aus der Mitte Spannung. Die drei kleinen Figuren links im Bild sind mit ihrer tief gebückten Haltung und farblichen Ausführung kaum als solche zu erkennen. Die Architektur und die landschaftlichen Elemente sind vereinfacht dargestellt. Sie bestehen aus einzelnen Farbparzellen, die lediglich durch starke verschiedenfarbige Umriss- und Strukturlinien eine Form annehmen. Nur der Blick auf den Himmel oben links erzeugt ein wenig Tiefenwirkung. Hölzel abstrahiert zunehmend, so betont er die gelben Engelsgewänder mit nur wenigen pastos gesetzten grünen Pinselstrichen. Auf Details bei den Gesichtern verzichtet er ganz. Dagegen beobachten der Ochse und der Esel am linken Bildrand sehr aufmerksam die Anbetung. Ohne ihre großen Augen könnte man sie fast übersehen. Das Bild setzt eine Richtung fort, die Hölzel bereits 1905 in einer kleinen Arbeit mit dem Titel »Komposition in Rot I« erprobt hat und deren Modernität sich stark von den anderen Arbeiten unterscheidet. In ihr hat er seine kunsttheoretischen Überlegungen zum Flächenaufbau sowie zum Einsatz der nicht an den Gegenstand gebundenen Farbe wesentlich vertieft. Zunächst bleibt das bahnbrechende Werk jedoch als Geheimnis im Koffer, der Weg aber ist nun vorgegeben und wird in der Arbeit »Anbetung der Engel« weiterverfolgt. Bestärkt wird Hölzel in seinem neuen Malstil durch Arbeiten von van Gogh, Gauguin, Cézanne sowie Werken der europäischen Avantgarde, die er in Ausstellungen sieht.
Werkdaten
Inventarnummer: O-2771
Material / Technik: Öl auf Leinwand
Creditline: Kunstmuseum Stuttgart
Provenienz

1913–1918 Adolf Hölzel, Stuttgart; 1917/18 Ausstellung der Werke von Adolf Hölzel, Kestner-Gesellschaft, Hannover; 1918–1986, 17.12. Pelikan AG, Hannover; 1986, 17.12. Kunstmuseum (Galerie der Stadt) Stuttgart

Lizenzhinweis
Foto: Kunstmuseum Stuttgart
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