Hanne Brenkens unbetiteltes Gemälde ist voller Widersprüche. Linien verlaufen gerade oder kurvig. Kräftige Rot- und Schwarztöne stehen hart nebeneinander oder vermischen sich. Durch tiefe Furchen in der Oberfläche wird der Bildgrund sichtbar. Die Gestaltung erinnert sogar ein wenig an glühende Baumrinde oder das Organische aufgeplatzter Haut. Auch der dicke Farbauftrag sorgt für einen äußerst lebendig strukturiertes Relief. Das Gemälde ist eines der frühesten, die Brenken im Stil des Informel malt. Ein Jahr zuvor sind Figuren und Landschaften noch zentrale Motive in ihren Bildern, wenngleich die Abstraktion in ihrer Gestaltungsweise bereits angelegt ist.
Brenken durchläuft keine klassische Kunstausbildung, sondern erlernt ihre Fertigkeiten durch eigene Studien. 1955 zieht sie von Nürnberg nach Düsseldorf und freundet sich mit herausragenden Vertretern des Informel wie Peter Brüning, Winfried Gaul, Gerhard Höhme und Karl Fred Dahmen an. Hier entwickelt sie ihre abstrakte, gegenstandslose Bildsprache.
Wie auch andere Künstler:innen des Informel lässt sich Brenken von natürlichen Strukturen anregen; bei dem hier gezeigten Gemälde ist es Baumrinde. Darin kommt bei aller Gegenstandslosigkeit die enge Verbundenheit der Malerei mit den Wachstums- und Gestaltungsgesetzen der Natur zum Ausdruck.
Werkdaten
- Inventarnummer: LG-685
- Material / Technik: Öl auf Leinwand
- Creditline: Dauerleihgabe aus Privatbesitz
Lizenzhinweis
© Nachlass Hanne Brenken, Karin Schneider-Henn und Berndt Brenken / Foto: Kunstmuseum Stuttgart