Bei dem hier gezeigten Wandobjekt von Meuser handelt es sich um ein zerdrücktes, mit brauner Ölfarbe grob überstrichenes Gefäß aus Metall. Seine Präsentation im Museum irritiert, denn eigentlich ist es nicht mehr als eine zerbeulte Gasflasche vom Schrottplatz. Meuser gelingt jedoch die Verwandlung in ein bemerkenswertes Objekt. Je nach Betrachterstandpunkt lässt es an ein maskenartiges Gesicht denken: Unterhalb eines wie ein stählerner Heiligenschein wirkenden Reifes erinnert eine breite, durch Faltungen in zwei Hälften aufgeteilte tiefe Mulde an eine Stirn- und Augenpartie. Betrachtet man das Gebilde von rechts, geht dessen unterer Rand in eine schmale erhabene Form über, die sich an ihrem unteren Ende verbreitert und dadurch einer Nase gleicht. Direkt darunter lässt sich eine kreisrunde Scheibe mit einem Loch als Mund deuten. Betrachtet man das Gebilde von links, wirkt eine weitere Mulde mit Falten unterhalb der Stirn- bzw. Augenpartie wie ein großer geöffneter Mund. Die kreisrunde Scheibe mit dem Loch tritt in diesem Fall in den Hintergrund.
In seinen Werken verarbeitet Meuser metallene Fundstücke von Schrottplätzen. Dem Ausgedientem, Übriggebliebenem und Beschädigtem gibt er ein zweites Leben, indem er es teilweise umformt oder bemalt und damit in einen neuen Bedeutungszusammenhang stellt, der jedoch rätselhaft bleibt. Erschwerend hinzu kommen die oft irritierenden, ironisch-sinnbefreiten Werktitel oder wie hier der gänzliche Verzicht auf einen Titel.
Werkdaten
- Inventarnummer: 2022-004
- Material / Technik: Steel and oil
- Creditline: Schenkung / Donation Hanns und Ursula Wiesenauer
Lizenzhinweis
© Meuser / Foto: Frank Kleinbach, Stuttgart